• Lehnen Sie sich zurück!

Lehnen Sie sich zurück!

14.05.2020 ANDREA ESCHBACH, Journalistin

Möbel-Trends – Die Internationale Möbelmesse imm in Köln hat bereits im Januar – und somit noch vor dem grossen Corona-Stillstand – stattgefunden. Das erlaubt uns, Ihnen die Sofa- und Sessel-Trends für das Jahr 2020 zu präsentieren.

Wie sitzen wir 2020? Die Internationale Möbelmesse imm in Köln hat die neuen Sitzmöbeltrends vorgestellt. Grosse Sofas konkurrieren derzeit mit Polster-Minis, der Scandi-Style trifft auf Glamour, Pastelltöne sind ebenso gefragt wie die neuen Edelsteinfarben Saphirblau oder Rubinrot. Bestehende Polsterserien sind nun häufig in flauschige Teddystoffe, Samt, Bouclé oder Kordbezüge gewandet.

So präsentiert der Schweizer Hersteller DeSede ein Möbel für den «French Touch» im Wohnzimmer. Das Sofa «DS-175» von Patrick Norguet kombiniert geradlinige Konturen mit viel Komfort. Der französische Designer bezeichnet seine grazile Schöpfung als «sehr einfach, aber sehr elegant und chic». Sehr im Farbtrend liegt der Bezug aus nachtblauem Velours.

Sofa «DS-175» in nachtblauem Velours, designt von Patrick Norguet für den Schweizer Hersteller DeSede.

Sofa «DS-175» in nachtblauem Velours, designt von Patrick Norguet für den Schweizer Hersteller DeSede.

In ebenso trendiges Senfgelb kleidet sich das Sofa «Pacific» von Jori. Der Entwurf des belgischen Designbüros Verhaert ist mit der leicht abgerundeten Linienführung eine Hommage an die Fifties. 

«Pacific» von Jori, entworfen vom belgischen Designbüro Verhaert.

«Pacific» von Jori, entworfen vom belgischen Designbüro Verhaert.

Doch während der Midcentury-Stil abflaut, kommen die 1970er-Jahre wieder. Mit dem Sofa «Deep Tuft» von Harvey Probber trägt Classicon zum Seventies-Comeback bei. Die Reedition des Möbels mit der üppigen Stepp-Polsterung, das der New Yorker Designer bereits 1972 entworfen hatte, erlaubt mit Eckmodul, Mittelteil mit Lehne sowie einem lehnenlosen Element unzählige Kombinationsmöglichkeiten, von der linearen Anordnung bis hin zur breiten Sitz- und Liegelandschaft.

«Deep Tuft» von Classicon, entworfen von Harvey Probber

1970er-Jahre-Comeback: «Deep Tuft» von Classicon, entworfen von Harvey Probber.

Das Comeback des Glamours

Wo hier Minimalismus auf Opulenz trifft, konnte man andernorts sehen, wie Glamour heute geht. Der glamouröse Stil ist zurück. Viel Gold, Samt und Seide – Wohnen im Art-déco-Stil der Goldenen Zwanzigerjahre ist wieder angesagt. Er bringt einen Hauch Luxus in unseren Wohnalltag. Beim österreichischen Hersteller Wittmann gab es einen Eyecatcher dieses extravaganten Stils zu sehen: Luca Nichetto präsentierte die Kollektion «Paradise Bird», Lounge Chair, Hochlehner, Sofa und Hocker reihen sich in die Wiener Tradition des Art déco ein. Ihre mondäne Form überrascht mit komfortablem Sitzgefühl dank Taschenfederkernen und Daunenfüllung. Der elegante Lounge Chair ist das Herzstück der Kollektion: Die filigrane Metallrahmenkonstruktion wirkt trotz üppiger Dimensionen leicht – sie bildet einen Korb, in dem die gemütlichen Sitz- und Rückenpolster zum Verweilen einladen. Besonders gut kommt der Einrichtungstrend Art déco durch satte, dunkle Farben wie Blau, Bordeauxrot oder Grün zur Geltung.

«Paradise Bird» von Wittmann

«Paradise Bird» von Wittmann

Ganz Understatement dagegen ist ein Entwurf der Bielefelder Werkstätten: Dem Sofa «Heaven» gelingt der Balanceakt zwischen moderner Geradlinigkeit und komfortabler Weichheit. Auf dem filigranen, scheinbar schwebenden Gestell breiten sich opulente Polsterkissen als Komfortzone einladend aus. Die Rücken- und Armlehnkissen sind verstell- beziehungsweise verschiebbar und bieten somit Sitzwechsel für jede Sitzstimmung.

Sofa «Heaven» der Bielefelder Werkstätten

Understatement: Sofa «Heaven» der Bielefelder Werkstätten.

Keine Frage der Grösse

Kleinere Wohnungen befeuern einen anderen Trend: die grossen Sitzlandschaften vergangener Jahre werden durch platzsparende Möbel verdrängt. Der deutsche Hersteller Thonet stellte in Köln den Polsterstuhl «520» vor. Designer Marco Dessí gelang es, den Spagat zwischen den ikonischen Bugholzformen und einer gepolsterten Lehne zu machen. Der Polsterstuhl zeigt die souveräne Eleganz eines klassischen Thonet-Bugholzsessels.

Polsterstuhl «520» des deutschen Herstellers Thonet, designt von Marco Dessí. Polsterstuhl «520» des deutschen Herstellers Thonet, designt von Marco Dessí.

Platzsparend: Polsterstuhl «520» des deutschen Herstellers Thonet, designt von Marco Dessí.

Einen kleinen Riesen sah man bei Ligne Roset: Design-Star Sebastian Herkner liess sich dabei von Elefanten inspirieren. Das Sofa «Taru» kommt ganz kompakt und mit stämmigen Füssen daher.

«Taru» von Sebastian Herkner für Ligne Roset «Taru» von Sebastian Herkner für Ligne Roset

Inspiriert von der Form eines Elefanten: «Taru» von Sebastian Herkner für Ligne Roset.

Auch Walter Knoll hatte ein Sofa im Gepäck, das für urbane, kleinere Grundrisse gedacht ist. Das österreichische Designstudio EOOS hat mit «Muud» eine softe Wohlfühlinsel entworfen. Grosse Daunenkissen sorgen für Bequemlichkeit. Zudem ist das Möbel multifunktional: Im Handumdrehen wird aus der Ecksofa-Konfiguration ein Gästebett für Zwei.

Sofa «Muud» des Designstudios EOOS

Multifunktional: Aus dem Sofa «Muud» des Designstudios EOOS für Walter Knoll kann ein Gästebett gemacht werden.

Feingliedrig daher kommt auch das Sofa «Rego» bei Leolux. Der feminine Entwurf von Gino Carollo setzt auf italienische Eleganz und fliessende Linienführung.

Sofa «Rego» von Leolux

Feingliedrig: Sofa «Rego» von Leolux. Der feminine Entwurf stammt von Gino Carollo.

Auch Horgenglarus zeigte, dass Sitzkomfort nichts mit Grösse zu tun hat. Flexibel, bequem, leicht zu bewegen: Das sind die Merkmale der «Seley»-Familie von Frédéric Dedelley.

«Seley»-Familie von Frédéric Dedelley

Flexibel, bequem und leicht zu bewegen: «Seley»-Kollektion von Frédéric Dedelley für das Schweizer Label Horgenglarus.

Die Kollektion besteht aus einem kleinen Sessel, einer zierlichen Bank und zwei Hockern. Alles kleine, leichte Möbel, die als bequeme Sitzgruppe im Loungebereich eines Restaurants oder Hotels wie auch im privaten Wohnzimmer eingesetzt werden können – der Sessel alleine oder begleitet von der Bank und den Hockern. Alle Produkte bestehen aus einem Minimum an Teilen: zwei Vorder- und zwei Hinterbeinen mit quadratischem Querschnitt, einem Sitz und bei Sessel und Bank einer Rückenlehne. Die Zusammenarbeit des Zürcher Designers mit der Glarner Möbelmanufaktur startete mit dem kleinen Sessel. «Es ist ein niedriger Stuhl mit den Proportionen eines kleinen Sessels. Ich hatte Horgenglarus diese Typologie zwischen Sessel und Stuhl vorgeschlagen. » Besonderes Augenmerk legte der Designer auf den Übergang von der Arm- in die Rückenlehne. Das Verhältnis von der Sitzfläche zur Rückenlehne ist ergonomisch, dabei fliessen die Konturen ästhetisch ineinander.